Bost Berlin
Parkinn Hotel Alexanderplatz, Berlin Die alte Ente soll wieder fliegen lernen

Das einstige Edellokal im Lehel ist nun im ArabellaSheraton zu Hause und wird dort von Grund auf modernisiert

Ungelogen, diese "Ente" ist 30 Jahre alt. Und sie hat, wenn man so will, ein abwechslungsreiches Leben hinter sich. Zuerst ließ sie sich im Lehel nieder, im heutigen Liebighof, dann siedelte sie nach Wiesbaden in den Nassauer Hof um und kam dann Anfang 2000 wieder nach MÜNCHEN: diesmal ins ArabellaSheraton Grand Hotel. Und genau dort will man dem berühmten Gourmetrestaurant nun ein neues "Gefieder" verpassen, wie Hoteldirektor Holger Behrens sagt.

Den Hintergrund für die geplante Umgestaltung der "Ente vom Lehel" liefert eine Befragung der Gäste. Heraus kam dabei, dass von 300 Gästen, die sich durchschnittlich am Tag in dem Luxushotel bewegen, nur 120 im Haus essen, davon allein 80 im "Paulaner's", einem bayerischen Wirtshaus mit Biergarten und falschem Apostroph im Souterrain des Hauses. Nur 20 ließen sich in der "Ente vom Lehel", blicken, der Rest nutzte die Espressobar oder orderte Snacks über den Roomservice. Diese Zahlen sollen sich nun deutlich verändern. Holger Behrens hat dafür zusammen mit dem Berliner Architekturbüro Bost ein Konzept entwickelt, das den Wünschen der Gäste mehr entsprechen soll. "Viele wollten nicht immer nur bayerisch essen, aber auch nicht immer gehobene qualität zu gehobenen Preisen." Und dann sei da noch etwas: Es gebe nun mal Prominente, die nicht mit dem eigenen Partner kämen und sich daher "nicht so auf dem Präsentierteller zeigen wollen".

Zum Ist-Zustand: Die "Ente vom Lehel" wirkt derzeit ein wenig so, als gehöre sie zur Hotel-Lobby. Von den Tischen aus fährt der Blick entweder in die Halle, in die Bar oder über ein Geländer in das Atrium des Hauses. Zudem ist das Restaurant als solches für die Gäste nur schwer zu erkennen, weil es morgens als normaler Frühstücksraum dient und mittags mit einem Lunchbüffet aufwartet. Zur "Ente" wird es erst am Abend. "Und dreimal am Tag ins selbe Restaurant gehen, das wollen wir auch nicht", so das Urteil der Gäste. Weil jedoch an der Wechselnutzung nichts geändert werden kann, soll nun der Eindruck geweckt werden, es handle sich bei der "Ente" wirklich um ein eigenständiges Restaurant.

"Das lief dann in etwa so wie bei dem Mann, der seiner Frau sagt, er wolle im Garten nur ein Vogelhaus bauen und am Ende den ganzen Garten überdacht hat", erzählt Hotelchef Behrens. Von der Ursprungsidee, das Lokal lediglich etwas geschlossener zu gestalten, kamen Behrens und seine Architekten zu einer völligen Umplanung: Sie verlegten den Eingang zur Ente am Abend auf die Seite der Bar, zogen flexible Glaswände ein, die tagsüber geöffnet sind und abends aus einem Restaurant zwei Lokale machen, die "Ente" und eines mit einer internationaler, nicht ganz so gehobenen Karte. Rund um die Wände des Atriums werden spezielle Paneele angebracht, die abends als Dach heruntergeklappt werden und so einen anderen Raumeindruck entstehen lassen. Ein neuer Lüster, eine einzigartige Anfertigung aus einem Material aus dem Flugzeugbau, soll 40 Prozent des Schalls schlucken. Das ist nötig, weil es in der Nähe der Bar immer wieder Live-Musik gibt, die die Gäste beim Dinieren stören könnte. Rund um den Umlauf des Atriums werden künftig Buchsbäume in in Entenform aufgestellt. Doch das wirklich Besondere an der neuen "Ente" sind Speisekarten in Form von High-Tech-Monitoren am Eingangsportal sowie ein Spiegel, der jeden Gast persönlich begrüßt und Bilder produzieren kann.

Geplant ist außerdem noch eine neue Whisky-Cigar-Lounge mit begehbarem Weinschrank und eine Sushi-Wok-Bar, an der auch Essen zum Mitnehmen angeboten werden soll. Von Mitte Juli an wird gebaut - und Anfang September soll die neue Gastronomie im ArabellaSheraton Grand Hotel fertiggestellt sein.

(Süddeutsche Zeitung, 13.07.2005)

zurück zur Presse-Übersicht